Antidepressiva

Antidepressiva

Antidepressiva

Bevor ich über Antidepressiva doziere, möchte ich erst mal erklären was Depression eigentlich bedeutet.
Das Gefühl der Traurigkeit hat jeder Mensch in seinem Leben schon irgendwann einmal erlebt. Aus Erfahrung wissen wir, dass das Gefühl der Traurigkeit auch wieder vergeht. Eine Depression ist eine chronische Traurigkeit, die von alleine nicht mehr vergeht. Eine Depression bedeutet :

- totale Freudlosigkeit
- das Gefühl der Hoffnungslosigkeit
- das Gefühl der Ausweglosigkeit
- das Gefühl der ständigen Müdigkeit
- das Gefühl der totalen Erschöpfung
- das Gefühl der Mutlosigkeit
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- das Gefühl der Sinnlosigkeit
- die eigene Existenz und das eigene Handeln in Frage zu stellen
- das Gefühl mit dem Leben nicht mehr fertig zu werden

Es liegt klar auf der Hand, dass dieser Zustand sehr unangenehm ist.

Manchmal mündet eine Depression auch im Suizid, aber nicht zwangsläufig. Manche der Betroffenen sind viel zu traurig und zu kraftlos um sich selbst zu töten. Das heißt aber nicht, das sie nicht leiden. Viele Depressive leiden stumm, ohne dass das soziale Umfeld etwas davon mit bekommt.

Eine sehr anschauliche Beschreibung der Depression finden Sie in dem Buch "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende. Stichwort : Die Sümpfe der Traurigkeit.

Für einen Menschen, der noch nie in seinem Leben eine Depression hatte, ist diese Art der chronische Traurigkeit nur sehr schwer verständlich. Umso wichtiger ist es, wenn die Personen, die von Depression keine Ahnung haben, ihre "Meinung" zu diesem Thema für sich behalten. Ihre unqualifizierten Kommentare sind weder angebracht noch hilfreich. Es sind nämlich die Depressiven die am meisten unter ihrer Erkrankung leiden. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass jeder Mensch an einer Depression erkranken kann, auch wenn das viele nicht wahr haben wollen.

Ich betone an dieser Stelle, dass Depression eine Krankheit ist und nichts anderes. Eine Krankheit die jeden treffen kann, egal ob jung oder alt, männlich oder weiblich, reich oder arm, klug oder dumm, erfolgreich2 oder erfolglos.

Nun zum eigentlichen Thema Antidepressiva.

Ja, auch ich habe, etwa vier Jahre lang, ein Antidepressivum3 eingenommen. Vor etwa zehn Jahren habe ich diese Chemikalie zur Manipulation von Gefühlen abgesetzt. Meine Ärzte haben mir übrigens versichert, dass ich das Antidepressivum bis zu meinem Lebensende einnehmen könnte !!!
Die Gründe, warum ich ein Antidepressivum eingenommen habe, werde ich hier nicht erörtern. Für meine folgenden Ausführungen sind diese Gründe auch nicht relevant. Bezeichnenderweise sind sie nicht relevant.

Doch zunächst : Ja, Antidepressiva wirken. Ich fühlte mich besser. Aber es ging mir nicht besser.

Zum besseren Verständnis hier ein vergleichbares Beispiel :

Ein Patient wird mit einer akuten Blinddarmentzündung ins Krankenhaus eingeliefert. Er hat große Schmerzen. Jetzt kann der behandelnde Arzt dem Patienten soviel Morphium geben, bis dieser keine Schmerzen empfindet. Der Arzt kann die Dosis auch soweit erhöhen, dass der Patient in einen euphorischen Zustand kommt. Der Patient fühlt sich besser. Aber, geht es ihm aber besser ? Ist die Blinddarmentzündung auf wundersame Weise verschwunden ? Die Antwort lautet : Nein. Die Ursache der Krankheit wurde nicht bekämpft. Das Morphium hat nur die Gefühle des Patienten manipuliert.

Genauso arbeiten Antidepressiva. An den Ursachen der Depression ändern diese Chemikalien zur Manipulation von Gefühlen überhaupt nichts. Sie lenken höchstens ab. Ganz abgesehen von den Nebenwirkungen, die bei jedem Patienten sehr unterschiedlich ausfallen können. Siehe hierzu die jeweiligen Beipackzettel.4

Die pharmazeutische Industrie will uns weiß machen, dass Depressionen nur und ausschließlich auf ein chemisches Ungleichgewicht des Serotonin-Haushaltes im Gehirn zurückzuführen sind. Eine sehr zweifelhafte Behauptung.

In Wahrheit sind die Ursachen von Depressionen sehr unterschiedlich. Dazu gehören z.B. :

- genetische Disposition
- traumatische Erlebnisse in der Kindheit
- Schicksalsschläge
- schwere Erkrankungen
- Alter
- Schwangerschaft
- Gewaltverbrechen
- Folter
- Missbrauch von legalen oder illegalen Drogen. Paradoxerweise versuchen viele Menschen ihre Depressionen mit Drogen zu "behandeln".

Mir stellt sich die Frage, ob ein Serotonin-Mangel tatsächlich die Ursache einer Depression ist oder nicht eher umgekehrt : Die Depression senkt den Serotonin-Spiegel. Ein unglückliches Gehirn hat keinen Grund Serotonin zu produzieren. Ein glückliches Gehirn dagegen schon.

Antidepressiva sind deshalb so beliebt, weil sie eine so scheinbar einfache Lösung bieten. Man wirft eine Pille ein und schon sind alle Probleme gelöst. Das kommt einer oberflächlichen Gesellschaft, die es gar nicht so genau wissen will, sehr entgegen.

Es läuft alles auf die Frage hinaus : "Wie gehen wir mit unseren eigenen Gefühlen um ?"
Gefühle haben wir nicht umsonst. Gefühle wollen uns etwas mitteilen.
Das Gefühl des Hungers will uns sagen : "Du brauchst Nahrung."
Das Gefühl des Durstes will uns sagen : "Du brauchst Wasser."
Das Gefühl des Schmerzes will uns sagen : "Du bist verletzt."
Alle diese Gefühle haben ihre Berechtigung.
Und genauso verhält es sich auch mit der Depression. Die Depression will uns sagen :"Hier stimmt etwas nicht."
So paradox das auch klingen mag : Depressionen haben ihre Berechtigung.
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Die Frage nach der Ursache der Depression kann kein Antidepressivum beantworten. Eine Psychotherapie kann das sehr wohl.

Es steht mir nicht zu den Betroffenen zu sagen, was Sie tun oder lassen sollen. Aber, wenn Sie eine Depression haben und Antidepressiva einnehmen oder mit dem Gedanken spielen Antidepressiva einzunehmen, kann ich Ihnen nur zu folgendem raten : Überlegen Sie sich, ob dieser Weg nicht in Wahrheit ein Sackgasse ist, denn Antidepressiva heilen keine Depressionen.6
Im Zweifel ist die pharmazeutische Industrie immer der Gewinner und wird deshalb ganz bestimmt keine Depression bekommen.

Zum Abschluss an alle, die sich ebenfalls mit Depressionen herumplagen :

Lasst euch nicht unterkriegen. Die eigene Existenz ist viel zu wertvoll, um lebenslang todunglücklich zu sein. Macht euch nicht selbst fertig ; das tun schon andere für euch.7


Mein Name ist Stephan Potratz

und das ist meine Meinung

hier aufBienenvilla.com

Köln, 25.5.2015

Anmerkungen und Ergänzungen

1 Man kann die Depression als einen Kampf gegen die Mutlosigkeit betrachten. Daraus ergibt sich eine paradoxe Situation : Um gegen etwas anzukämpfen, braucht man Mut. Wenn man den nicht hat, hat man schon verloren. Der Depressive braucht also etwas, was er aufgrund seiner Mutlosigkeit nicht hat. Hätte er den Mut, wäre er nicht mutlos. So erhält sich die Depression selbst am leben. Die Depression wird zu ihrer eigenen Ursache.

2 Siehe hierzu bitte Robert Enke, der im Verlauf seiner Depression am 10. November 2009 Suizid beging.

3 Citalopram, ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer ( SSRI )

4 Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen : Schlafstörungen, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit, Magen-Darm-Beschwerden, Nervosität, Kopfschmerzen, Zittern, Herzklopfen, vermehrtes Schwitzen, Akkommodationsstörungen der Augen, Kraftlosigkeit, sexuellen Störungen ( Erektions- und Orgasmusschwierigkeiten ), Verstärkung der schon bestehenden Depression, Suizidgedanken.

5 Wir neigen dazu, Gefühle in gut und böse einzuteilen. Angenehme Gefühle sind die "Guten", unangenehme Gefühle sind die "Bösen". Ein fataler Irrtum, denn Gefühle sind grundsätzlich weder gut noch böse. Die "bösen" Gefühle möchten wir am liebsten komplett aus unserem Leben verbannen, weil diese in der Leistungsgesellschaft keinen Platz haben. Also, her mit den Chemikalien zur Manipulation von Gefühlen ( Zigaretten, Alkohol, Drogen, Schlaftabletten, Aufputschmittel, Tranquilizer, Schmerzmittel, Antidepressiva ), damit wir unser ganzes Leben lang, ununterbrochen gut drauf und leistungsfähig sind; damit wir nur ja nicht merken, wie schlecht es uns tatsächlich geht und warum.
Die Unterdrückung von Gefühlen ( z. B. Trauer oder Wut ) kann übrigens eine Depression auslösen !!!
Der Grad der Verdrängung kann bis in die Suchtkrankheit führen. Die Suchtkrankheit ist nichts anderes als der Versuch Probleme mit untauglichen Mitteln zu lösen. Diese Mittel müssen nicht notwendigerweise chemischer Natur sein. Diese nicht-chemischen Suchtmittel können z. B. Geld, Sex, Arbeit, Glücksspiel, Macht oder Geltung sein.

6 Schwerste Formen der Depression äußern sich in einem depressivem Stupor ( dumpfe Reglosigkeit ). In diesen Fällen ist die Verabreichung von Antidepressiva wohl alternativlos, damit die Betroffenen überhaupt fähig werden, eine Therapie anzutreten. Aber diese Ausprägung kommt nur selten vor.
Und wenn Sie, lieber Leser, in der Lage sind die Website
Bienenvilla.comaufzurufen und diesen Text zu lesen, haben Sie ganz bestimmt keinen depressivem Stupor.

7 Halten Sie sich fern von Personen, die Sie verängstigen, verunsichern oder entmutigen. Diese Art von Personen verstärken nur Ihre Depression und sind deshalb schädlich für Sie.
Auch depressive Menschen haben ein Recht darauf glücklich zu sein.

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