Bosheit und Bequemlichkeit

Bosheit und Bequemlichkeit

Bosheit und Bequemlichkeit

In meinem Text über die Liebe stellte ich die These auf, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Bosheit und Bequemlichkeit.

Ich zitiere mich an dieser Stelle selbst :

"...Wenn man meiner Definition folgt, wird klar, dass Liebe anstrengend und manchmal auch unbequem ist. Deshalb komme ich zu der Schlussfolgerung, dass antisoziales, rücksichtsloses und kriminelles Verhalten auch ein Produkt der Bequemlichkeit ist. Auf niemanden Rücksicht zu nehmen ist bequem. Es ist leichter etwas zu stehlen, als dafür zu arbeiten. Ein Gewissen zu haben ist dagegen sehr unbequem.
Es scheint vielen Menschen leichter zu fallen, böse als gut zu sein...."

Zitat ende.

Ich möchte meine These mit diesem Artikel untermauern.

Eine Person, Gruppe oder Gesellschaftsschicht für alle Missstände in der Gesellschaft pauschal verantwortlich zu machen, hat gewisse "Vorteile".
Da man den "Schuldigen" schon im voraus "kennt", muss man nicht mehr nach anderen Tatverdächtigen suchen.
Nach anderen Ursachen zu forschen, ist nicht mehr nötig.
Das eigene Verhalten kritisch hinterfragen, ist ebenfalls unnötig.
Es ist ja schon alles klar.
Man gibt sich mit der oberflächlichsten, weil bequemsten, Antwort zufrieden.
Die tatsächlichen Probleme einer Gesellschaft werden allerdings so nicht gelöst.
Oh, welche Überraschung !

Wer Gerechtigkeit fordert, muss auch sein eigenes Denken, Handeln und Fühlen kritisch hinterfragen. Wer gerecht sein will, der muss sich alle Aspekte eines Umstandes ansehen. Das ist eine mühevolle Arbeit, die viele Menschen scheuen, weshalb es auch so viel Ungerechtigkeit in der Welt gibt.

Grundsätzlich kann jede Person, Gruppe oder Gesellschaftsschicht in die Rolle des Sündenbocks gedrängt werden. Das Böse ist da nicht wählerisch. In die Rolle des Sündenbocks werden aber bevorzugt Personen, Gruppen oder Gesellschaftsschichten gedrängt, die sich schlecht oder gar nicht zur Wehr setzen können. Beliebte Opfer dieser Bequemlichkeit sind die Alten, die Kranken, die Armen, die Kinder, die Arbeitslosen und sonstige Gruppen, die noch nicht mal 1 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Bosheit hat auch viel mit Feigheit zu tun. Man prügelt gerne auf die ein, von denen keine Gegenwehr zu erwarten ist. Gegenüber den Starken, Reichen und Mächtigen ist man dagegen sehr devot.
Ganz nach dem Motto :
"Nach oben in Ärsche kriechen,
nach unten in Ärsche treten."
Der persönliche Vorteil darf natürlich nie aus dem Auge gelassen werden. Selbstverständlich.

Trauriger Höhepunkt der "Sündenbock-Bequemlichkeit" ist der Holocaust.
Wer Jude ist oder sonst wie dem System nicht passt, ist "schuldig" und wird beseitigt.
Sehr bequem für die Täter.
Ganz gewiss nicht für die Opfer.
Der Sündenbock ist der bequeme Ausweg der Oberflächlichen.

Voraussetzung für die "Sündenbock-Bequemlichkeit" ist das Vorurteil.1
Ein Vorurteil ist eine Meinung, die sich aus Phantasien, Halbwissen und Interpretationen zusammen setzt. Eine sachliche und objektive Überprüfung dieser Meinung wird nicht vorgenommen. Durch ständige Wiederholung wird aus dieser Meinung irgendwann einmal die "Wahrheit". Anstatt sich mit den Menschen auseinander zu setzen, wird aus sicherer Distanz verachtet, beschimpft oder gehasst.
Es gibt das Sprichwort : "Lügen haben kurze Beine." Leider stimmt das nicht immer. Es gibt Lügen, die verdammt lange Beine haben, weil sie für die Mehrheit der Menschen so schön bequem oder nützlich sind.

Es gibt die These, dass die Wahrheit relativ wäre.
Dem muss ich ganz entschieden widersprechen.
Die Wahrheit, also die faktische Wirklichkeit, ist niemals relativ. Die faktische Wirklichkeit stellt sich für jeden Menschen gleich dar. Die faktische Wirklichkeit kümmert sich einen Dreck um unsere egozentrischen Wünsche, Bedürfnisse und Intensionen. Der faktischen Wirklichkeit ist es egal, ob wir sie als gut oder schlecht empfinden. Einzig und allein unsere Meinungen zur Wahrheit, sind relativ. Das Relativieren der faktischen Wirklichkeit, dient nur der Entschuldigung boshaften Verhaltens. Das Relativieren der faktischen Wirklichkeit, dient in Wahrheit auch nur der Bequemlichkeit. Die faktische Wirklichkeit ist kein Kissen, dass man nach Nutzen und Bequemlichkeit verbiegen kann. Meinungen sind verformbar, die faktische Wahrheit ist es nicht. Die "Meinung", dass die Wahrheit relativ sei, ist nur eine pauschale Ausrede für all diejenigen, die zu Feige sind Stellung zu beziehen. Statt dessen ist man flexibel bis zur Rückgratlosigkeit.

Seit je her gab es Menschen, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Diese flexible Einstellung zur Wahrheit führt dazu, die eigenen Probleme maßlos zu dramatisieren und die Probleme anderer Menschen maßlos zu bagatellisieren.

Oberflächlichkeit und Bequemlichkeit sind der Boden, auf dem das Böse sehr gut gedeiht.


Mein Name ist Stephan Potratz

und das ist meine Meinung

hier aufBienenvilla.com

Köln, 5. 6. 2015

Anmerkungen und Ergänzungen

1 Vorurteile sind Unterstellungen. Diese müssen nicht immer negativ sein. Es gibt auch positive Vorurteile, so zum Beispiel, dass alle Deutschen fleißig, pünktlich und ordentlich seien.

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