Fehler

Fehler

Es gibt zwei Gründe warum Fehler entstehen:

1. Unachtsamkeit.
Übermüdung, Drogen- bzw. Alkoholkonsum oder einfach nur Desinteresse verursachen Unachtsamkeit. Weil man nicht wachsam war, verselbstständigen sich Prozesse, mit unerwünschten Folgen.

2. Unwissenheit.
Man trifft eine Entscheidung in dem Glauben, dass Richtige zu tun. Später stellt man dann fest, dass diese Entscheidung falsch war, weil man es nicht besser wusste und noch nie mit einer solchen Situation konfrontiert war.

Ich bin in meinem Leben schon oft Menschen begegnet die meinen, jedes Projekt dass sie in Angriff nehmen, müsste auf Anhieb funktionieren. Sie meinen, sich keinen Fehler leisten zu können. Ich weiß weder woher die Menschen diese Forderung nach absoluter Fehlerlosigkeit haben, noch ob dieser Anspruch ihnen überhaupt bewusst ist. Aber ich weiß, dass dieses "Ideal" ( absolute Fehlerlosigkeit ist ein Ideal. ) eine Bremse für die menschliche Entwicklung ist. Im Folgendem werde ich beweisen, warum dieses "Ideal" das Leben nur unnötig erschwert.

Wernher von Braun ( geboren am 23. März 1912, gestorben 16. Juni 1977 ) war ein Raketeningenieur und einer der Wegbereiter des amerikanischen Raumfahrtprogramms. Er war ein Pionier im Raketenbau.
Als er mit dem Bau der Rakete A4 ( auch V2 genannt ) begann, hat er immer wieder Rückschläge hinnehmen müssen. Etliche Raketen sind kurz nach dem Zünden der Triebwerke noch auf dem Startplatz explodiert. ( Später sind sowohl den Sowjets als auch den US-Amerikanern viele Raketen noch auf dem Startplatz explodiert. Raumfahrt war und ist ein gefährliches Unterfangen.) Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn er betrat technisches Neuland und eine Rakete ist eine komplizierte Maschine. Viele technische Probleme musste erst erkannt und gelöst werden, bevor die Rakete wunschgemäß funktionierte.
Wernher von Braun hat sich aber von diesen Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Ganz im Gegenteil.
Sinngemäß hat Wernher von Braun in etwa folgendes gesagt:

"Ärgert euch nicht wenn die Rakete explodiert. Solange wir Telemetriedaten haben, war der Start ein Erfolg."

Von Braun hat Fehler dazu genutzt, um aus ihnen zu lernen, wie am es beim nächsten mal besser macht. Diese Informationen bezog er aus den Telemetriedaten. Man darf Fehler nicht mit Schlamperei oder Desinteresse verwechseln. Wernher von Braun hat Fehler gemacht, weil er es nicht besser wusste. Es heiß nicht umsonst :"Hinterher ist man immer schlauer."
Fehler sind Quellen der Erkenntnis.

Im Maschinenbau hat man das "Ideal der absoluten Fehlerlosigkeit" schon lange aufgegeben. Man begegnet den Fehlern hier mit "Fehlertoleranzen". Innerhalb gewisser Toleranzen dürfen Fehler gemacht werden. Konsequenterweise werden dieses Toleranzen immer enger je präziser eine Maschine sein muss, aber auch dann sind Toleranzen vorhanden.

Selbstverständlich gibt es Prozesse die kaum bis gar keine Fehler erlauben. Mit Fehlern muss man deshalb trotzdem rechnen. Also muss man die Systeme, die dieses Prozesse steuern, so konstruieren, dass sie in der Lage sind Fehler aufzufangen.

Im Allgemein gilt : Entscheidungen müssen nach Möglichkeit so getroffen werden, dass man durch diese nicht in die Eck gedrängt wird. Alternativen gibt es fast immer.

Wenn ein Mensch an sich selbst den Anspruch stellt, keine Fehler machen zu dürfen, wird er früher oder später an diesem Ideal scheitern. Manche Dinge funktionieren auf Anhieb, andere eben nicht. Wenn dieser Mensch dann an einem Projekt "scheitert", wird er das als "Beweis" für seine Inkompetenz fehlinterpretieren. In Wahrheit ist er an dem unrealistischen Ideal der absoluten Fehlerlosigkeit gescheitert. Die Folge ist Scham und Entmutigung. Aus Angst weitere Fehler zu machen wagt dieser Mensch nicht einen erneuten Versuch zu beginnen. Daraus folgt Stillstand.

Es muss nicht alles auf Anhieb funktionieren. Es kann nicht alles auf Anhieb funktionieren. Jede Entwicklung ist ein Lernprozess in dem man versteht, warum es nicht funktioniert hat.
Dazu gehört, dass man den oder die Fehler beseitigt und es noch einmal versucht und zwar solange bis es klappt. Dieser Prozess ist übrigens sehr spannend, wenn man sich erst einmal von dem "Ideal" keine Fehler machen zu dürfen getrennt hat. Dazu gehört auch, dass man experimentiert. Manche Dinge kann man erst wissen nachdem man sie ausprobiert hat.

Das "Ideal der absoluten Fehlerlosigkeit" schränkt die Bewegungsmöglichkeiten des Menschen völlig unnötig ein. Dieses "Ideal" ist selbst ein Fehler.

Wir haben leider alle vergessen, dass wir das Laufen erst erlernen mussten. Fähigkeiten müssen entwickelt und eingeübt werden um sie zu beherrschen. Das braucht seine Zeit.
Nicht umsonst heißt es : Übung macht den Meister.
Hier heißt es, Geduld mit sich selbst zu haben. Tatsächlich wachsen wir an unseren Fehlschlägen, nicht an unseren Erfolgen. An den Fehlschlägen müssen wir arbeiten, an den Erfolgen nicht mehr.

Wir leben nicht in einer fehlerlosen Welt. Wer so etwas beansprucht, lebt auf dem falschen Planeten. Wer behauptet, nie einen Fehler zu machen, macht schon einen Fehler.

Ich bin sicher, dass sich auf meiner WebsiteBienenvilla.comRechtschreibfehler verstecken. Wenn ich die Fehler finde, korrigiere ich sie sofort. Aber nur weil ich Rechtschreibfehler mache, wird die Erde ihre Umlaufbahn um die Sonne nicht verlassen. Das Dramatisieren von Fehlern ist auch ein schlimmer Fehler.

Einer der größten Fehler den ein Mensch begehen kann ist, sich von Fehlern entmutigen zu lassen. Erfolg ist das, was man aus Fehlern macht, denn der Weg zum Erfolg ist immer mit Fehlern gepflastert. Also lassen Sie sich nicht durch Fehler entmutigen. Lernen Sie aus ihren Fehlern, auch aus denen der anderen. Hören Sie nicht auf das dumme Geschwätz anderer Leute, die Sie entmutigen wollen weil sie selbst keinen Mumm haben.

Erlauben Sie sich selbst Fehler machen zu dürfen und korrigieren sie diese. Erlauben Sie anderen Menschen Fehler machen zu dürfen und geben Sie ihnen die Chance diese Fehler zu korrigieren. Sie machen damit sich selbst und anderen das Leben erheblich leichter.


Mein Name ist Stephan Potratz

und das ist meine Meinung

hier aufBienenvilla.com

Köln, 2014

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