Fragen

Fragen

Was nützt einem die Wahrheit1, wenn niemand die Wahrheit sehen oder hören will ?
Die Antwort auf diese Frage lautet : Gar nichts.
Aus diesem Grund komme ich zu der Schlussfolgerung, dass Fragen viel wichtiger sind als Antworten. Was nützen die besten Antworten, wenn niemand danach fragt ?

Es ist völlig sinnlos mit jemanden zu reden, der die Wahrheit nicht hören will.
Aus genau dem selben Grund kann man auch keinen Menschen ändern. Die Menschen glauben das, was sie glauben wollen. Was sie nicht wahrhaben wollen, verdrängen oder verleugnen sie.

Es macht tatsächlich keinen Sinn zu sprechen, wenn niemand zuhört. Diese Beobachtung verführt zu der Schlussfolgerung, dass es besser wäre zu schweigen. Ist das Verschweigen aber wirklich die richtige Entscheidung ? Ich denke nicht, weil eben doch die Chance besteht, dass jemand zuhört.

Wer sich mit seiner Umwelt und sich selbst abgefunden hat, stellt keine Fragen mehr. Deshalb bleibt alles so wie es ist. Wer keine Fragen stellt, bleibt geistig stehen. Von solchen Menschen ist deshalb grundsätzlich kein Verständnis für irgendetwas oder irgendjemanden zu erwarten.

Wer aber Fragen an seine Umwelt und an sich selbst stellt, hat sich eben nicht abgefunden. Eine Frage zu stellen ist der erste Schritt in Richtung Veränderung, auch wenn man zunächst keine Antwort findet. Jede Frage ist der Beginn einer Suche.

Viele Menschen benutzen ihre Intelligenz nur dazu sich anzupassen2. Was uns aber fehlt ist eine kritische Intelligenz.
Sind die Dinge wirklich so, wie sie scheinen ?
Müssen die Dinge wirklich so ablaufen, wie wir es gewohnt sind ?
Gibt es wirklich keine Alternativen ?

Wer niemals kritische Fragen stellt, wird niemals erwachsen. Wer nie kritische Fragen stellt, läuft Gefahr seine Eltern originalgetreu zu kopieren. Es wird nichts neues gemacht, sondern nur unbewusst wiederholt. Statt neue Wege zu entdecken, bleibt man auf ausgetretenen Pfaden.

Wer keine kritischen Fragen stellt, macht sich selbst manipulierbar. Gerade die Deutschen sollten das aus den Erfahrungen des Ersten- und des Zweiten-Weltkrieges besser wissen als jedes andere Volk. Zu wenig Deutsche haben kritische Fragen gestellt. Mit katastrophalen Konsequenzen, sowohl für Deutschland als auch für Europa.

Kritische Frager und Denker sind nicht beliebt. Sie stören zu sehr die Party, die ja nicht unterbrochen werden darf. Man will lieber hirn- und kritiklos Hurra schreien.3

Wenn es ganz schlimm kommt, dann werden wieder Bücher auf Scheiterhaufen in der Öffentlichkeit verbrannt.

In jeder Frage steckt auch der Keim des Skeptizismus. Der Skeptizismus ist gut. Er macht uns zu erwachsenen Menschen. Er befreit uns von der Naivität. Er schützt uns vor Betrug. Er schützt uns davor, jeden Mist der uns tagtäglich aufgetischt wird, kritiklos zu glauben.

Es ist wichtig, die richtigen Fragen zu stellen.
Es ist wichtig, keine Angst davor zu haben Fragen zu stellen.

Meine Name ist Stephan Potratz

und das ist meine Meinung

hier aufBienenvilla.com

Köln, 16.9.2015

Anmerkungen und Ergänzungen

1 Unter Wahrheit verstehe ich die faktische Wirklichkeit, die sich beweisen lässt.

2 Man kann die Anpassung so weit treiben, bis die eigene Persönlichkeit verschwindet. Wenn man keine eigene Persönlichkeit besitzt, hat man mit der totalen Anpassung keine Probleme. Ein Individuum ist man dann allerdings nicht mehr, sondern nur noch ein Normopath. Wer eine Persönlichkeit besitzt, die er liebt, wird niemals bereit sein diese im Namen der Anpassung zu opfern. Aus der Selbsterhaltung heraus wird er sich gegen eine Normierung der Persönlichkeit zur Wehr setzen.

3 Man muss sich nur mal ansehen, mit welcher Begeisterung die Deutschen in den Ersten-Weltkrieg gezogen sind. Man muss sich nur mal ansehen, mit welcher Begeisterung die Deutschen Hitler zugejubelt haben.

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