Liebe

Liebe

Liebe

Als ich den ArtikelProstitutionschrieb, sah ich mich verpflichtet auch einen kleinen Artikel über die Liebe zu schreiben. Ich empfehle Ihnen in diesem Zusammenhang auch meinen ArtikelTäter und Opfer.

Eigentlich mag ich das Wort LIEBE nicht, weil es schon viel zu oft missbraucht wurde. Hier ein paar Beispiele.

1. Millionen von Soldaten sind vor lauter "Vaterlandsliebe" in den Schützengräben des ersten Weltkrieges elend gestorben.

2. religiöse Fanatiker, deren "Liebe" zu Gott größer war als die Liebe zu den Menschen, haben die schlimmsten Gräueltaten begangen. Das geschieht auch heute noch. Fanatismus ist nichts anderes als entartete Liebe zu einer politischen oder religiösen Idee. Das Objekt des Fanatismus kann auch ein Mensch sein. Dieser Mensch wird dann maßlos idealisiert. Ein Fanatiker betrachtet die Welt nur noch durch einen Strohhalm. Jeder, der nicht durch diesen Strohhalm passt, gilt als Bedrohung und muss vernichtet werden. Der Fanatiker ist maßlos in seiner "Liebe". Nicht umsonst ist Maßlosigkeit einer der sieben Todsünden.

3. Im Namen der "Liebe" wurden schon Millionen von Kindern misshandelt. Man nennt das dann "gute Erziehung". Gut erzogen schon, aber nicht zum Guten erzogen.

4. Das Wort "Liebe" wird gerne dazu benutzt, um Menschen zu manipulieren.

5. Das Wort "Liebe" wurde viel zu oft falsch interpretiert, pervertiert und vergewaltigt.

Jede Sache und jede Idee können ein Nutzen oder ein Schaden für die Menschen sein; das hängt ganz von den Entscheidungen und dem Verhalten der Menschen ab. Man sollte sich selbst allerdings nichts vormachen : Keine Sache und keine Idee ist so heilig, als das sie nicht doch zum Werkzeug des Bösen gemacht werden könnte. Das gilt auch für diesen Text.

Eine feste, allgemein verbindliche Definition des Wortes LIEBE gibt es meines Wissens nach nicht.
Das einzige Dokument, dass einer Definition der Liebe noch am nächsten kommt, ist die Erklärung der Menschenrechte. Zumindest ist sie eindeutig ein Ausdruck der Liebe.
Das Problem mit dem Wort LIEBE besteht darin, dass es vieldeutig und dehnbar ist. Jeder definiert das Wort LIEBE ganz nach seinen egoistischen Wünschen und Bedürfnissen. Weil jeder das Wort LIEBE willkürlich definiert, ist dieses Wort nichts mehr wert.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Begriff LIEBE ein Oberbegriff für verschiedene Arten der Liebe ist. So gibt es z. B.
- die Liebe zu den Eltern
- die Liebe zu den Geschwistern
- die Liebe zu den eigenen Kindern
- die Liebe zur Natur
- die Liebe zur Musik
und so weiter und so weiter...
Freundschaft ist auch eine Form der Liebe.

Vielfach wird Liebe auch mit Sex verwechselt. Sex kann und darf etwas mit Liebe zu tun haben, muss es aber nicht. Sex ohne Liebe ist - wenn damit nicht ein Kind gezeugt oder Geschlechtskrankheiten übertragen werden - völlig bedeutungslos.

Dann werden auch noch die falschen Dinge "geliebt", z. B. Geld oder Alkohol oder anderen materiellen Unsinn. Es ist fraglich, ob man hier wirklich von "Liebe" sprechen kann.

Ich habe ebenfalls meine Zweifel daran, ob jeder Mensch zur Liebe überhaupt fähig ist. Um zur Liebe fähig zu sein, gehört eine gewisse menschliche Größe und die hat nicht jeder. Liebesfähigkeit hat sehr viel mit der Persönlichkeitsstruktur eines Menschen zu tun, bzw. dessen Störung. Drei Beispiele dazu :

1. Eine oberflächliche Person liebt nur oberflächlich. Der Oberflächliche verliebt sich schnell und entliebt sich ebenso schnell. "Heute liebe diesen, morgen liebe ich jenen." Die "Liebe" eines oberflächlichen Menschen macht sich an oberflächlichen Dingen fest und ist deshalb belanglos. Die Gefühlstiefe eines oberflächlichen Menschen ist so seicht wie eine Pfütze. Deshalb ist dieser Persönlichkeitstyp gar nicht in der Lage, tiefe Gefühl für jemanden anderen zu entwickeln.

2. Für eine Person mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, ist das soziale Umfeld nur dazu da, ihm zu applaudieren. "Ich bin wundervoll !" Er "liebt" einen Menschen nur solange, wie der ihn bewundert.

3. Für eine Person mit einer dissozialer Persönlichkeitsstörung, früher auch psychopathische- oder soziopathische Persönlichkeitsstörung genannt, ist das soziale Umfeld nur eine Verfügungsmasse, die er ganz nach Wunsch manipulieren kann. "Ich darf alles !" Eine derartige Persönlichkeitsstruktur hat überhaupt keine Probleme damit, Millionen von Menschen ermorden zu lassen und trotzdem Nachts gut zu schlafen.
Beide Persönlichkeitsstrukturen, Narziss und Psychopath, sind nur in der Lage sich selbst zu "lieben". Zu mehr reicht es nicht. In den Liebesradius eines Psychopathen oder Narzissus passt nur eine Person hinein : Er selbst. Eine andere Person hat auf dieser "Insel" keinen Platz. Ein Gast findet dort keine Unterkunft.
Deshalb komme ich zu der Schlussfolgerung, dass Liebesfähigkeit viel mit Großzügigkeit zu tun hat.

Es gibt die Ansicht, dass Liebe bedingungslos sei. Ich muss dem widersprechen. Zwei Begründungen dazu :
1. Ein Tierpfleger liebt auch seine Tiere z.B. Raubkatzen. Er wird aber immer dafür sorgen, dass zwischen ihm und den Tieren ein massives Gitter steht. Der Tierpfleger liebt seine Tiere aber unter der Bedingung, dass es ihn nicht das Leben kostet.
2. Wenn wir uns verlieben, dann immer in eine ganz bestimmte Person und nicht in irgend jemanden. Wir verlieben uns in einen Menschen aus bestimmten Gründen heraus. Ob diese Gründe nun richtig oder falsch sind, sei dahingestellt. Hier sind Bedingungen erfüllt worden. Bedingungslose Liebe wäre wahllos.

Durch die Definitionslosigkeit des Wortes LIEBE ist schon viel Unheil angerichtet worden. Ein feste, allgemein verbindliche Definition würde es den Menschen erlauben, falsche von richtiger Liebe zu unterscheiden und die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Das Thema Liebe bzw. Lieblosigkeit ist für eine Gesellschaft von entscheidender Bedeutung, denn eine lieblose Gesellschaft ist nicht lebenswert. Das Ausmaß von Liebe bzw. Lieblosigkeit in einer Gesellschaft, entscheidet auf lange Sicht über deren Überleben. Damit meine ich nicht nur den zwischenmenschlichen Umgang, sondern auch unser Verhalten gegenüber der Umwelt. Ein liebevoller Umgang mit der Umwelt ist auf lange Sicht mit Sicherheit die klügerer Entscheidung.

Eine Definition des Wortes LIEBE ist schon deshalb sinnvoll, weil wir doch sonst für alles Definitionen aufstellen. Wir schließen ständig Verträge, in denen jeder Gegenstand und jedes Verhalten genau definiert und geregelt ist. Siehe z.B. Eheverträge. Eine Definition wäre also nur konsequent. Ich bin der Meinung, dass das Thema Liebe für eine Gesellschaft viel zu wichtig ist, um es im definitionslosen Raum schweben zu lassen. Die Definitionslosigkeit des Begriffes Liebe fördert nur dessen Missbrauch.
Deshalb hier mein Vorschlag für eine feste, allgemein verbindliche Definition des Wortes LIEBE.

Liebe ist :

- nicht an Geld oder materiellen Werten interessiert. Liebe kann nur verschenkt werden. Sobald auf die Liebe ein Preisschild geklebt wird, wird diese augenblicklich entwertet. Aber weil die Liebe nur verschenkt werden kann, wird ihr Wert oft nicht geschätzt. Nirgendwo wird der Unterschied zwischen Preis und Wert so deutlich wie beim Thema Liebe.

- kein Druckmittel : Sobald die Liebe als Druckmittel, sprich Liebesentzug, missbraucht wird, wird diese augenblicklich entwertet. Die Liebe erpresst niemanden und nimmt auch keine Geiseln.

- empathisch : "Ich sehe, dass du leidest und wie sehr. Ich leide mit dir. Ich habe Mitleid. Ich habe das Bedürfnis dein Leiden zu lindern."

- phantasievoll : Empathie ist die Fähigkeit die Dinge aus der Perspektive des anderen zu sehen und zu fühlen. Es ist die Fähigkeit, sich mit seinen Mitmenschen identifizieren zu können. Für diesen Wechsel der Perspektive braucht man viel Phantasie und die hat leider nicht jeder. Aber der Mangel an Phantasie und Empathie hat uns Europäern schon zwei Weltkriege beschert.

- großzügig : "Ich bin nicht gierig. Ich bin nicht geizig. Ich bin hilfsbereit und freundlich. Es macht mir Freude, anderen eine Freude zu machen." Freundlichkeit ist das Verschenken kleiner Tropfen Liebe. Liebe äußert sich schon in kleinen Dingen.

- humorvoll : Humor ist, mit den Menschen zu lachen, nicht über sie. Humor verbindet die Menschen. Witz differiert sie. Humor kommt aus dem Herzen. Witz kommt aus dem Hirn. Witz ist Bosheit, die sich hinter einem Lächeln versteckt.

- verantwortungsbewusst : "Ich betrachte nicht nur das Verhalten anderen Menschen kritisch, sondern auch mein eigenes. Verhalten, das mir oder anderen schadet, unterlasse ich."

- maßvoll : "Ich setze mir selbst aber auch anderen Menschen Grenzen." Nur weil wir lieben heißt das noch lange nicht, dass wir die Vernunft abschalten. Liebe und Vernunft schließen einander nicht aus.

- Akzeptanz : "Ich mag dich so wie du bist und will dich nicht ändern."

- erkennend : "Ich sehe wer du bist. Ich erkenne deine Stärken und Schwächen."

- wertschätzend : "Ich erkenne deinen Wert und respektiere dich dafür."

- Anerkennung : "Ich erkenne an, dass auch du Gefühle und Bedürfnisse hast." Wer einen Mensch ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn dieser ebenfalls mit Ignoranz antwortet.

- dankbar : "Ich bin dankbar dafür, dass es dich gibt.
Ich bin dankbar dafür, dich zu kennen.
Ich bin dankbar dafür, dass du mich liebst.
Ich bin dankbar dafür, dass ich dich lieben kann."

- beschützend : "Ich will dich nicht schädigen. Ich will nicht, dass dir Schaden von anderer Seite zugefügt wird."

- der achtsame Umgang mit der Umwelt, seien es nun Menschen, Tiere, Pflanzen oder Gegenstände.

- Vergebung : "Ich bin nicht fehlerlos. Du bist nicht fehlerlos. Jeder kann Fehler machen. Deshalb vergebe ich dir."

An dieser Stelle eine kleine Anmerkung :
Mir ist klar, dass es Vorgänge gibt, die man nicht oder nur sehr schwer verzeihen kann. Dazu gehören Mord, Vergewaltigung und Folter. Wenn Sie, lieber Leser, so etwas verzeihen können, dann tun Sie das ruhig. Der Verzicht auf Rache und Vergeltung ist wichtig, damit die Spirale aus Vergeltung und Gegenvergeltung gar nicht erst anfängt zu rotieren. Auf Rache zu verzichten ist nicht feige. Dieser Verzicht erfordert viel Kraft, und die hat leider nicht jeder.

- wohlwollend : "Ich möchte dir ein Freund sein, auch in schlechten Zeiten. Ich möchte dir helfen, wenn du nicht mehr weiter weißt. Ich möchte dich unterstützen, wenn du schwach bist."

- geduldig : Wir haben leider alle vergessen, dass wir das Laufen erst erlernen mussten. Deshalb werden wir ungeduldig mit uns selbst oder mit anderen. Fähigkeiten müssen entwickelt und eingeübt werden um sie zu beherrschen. Das braucht seine Zeit. Nicht umsonst heißt es : Übung macht den Meister.

- aufbauend : "Ich freue mich, wenn Lebewesen wachsen und gedeihen. Ich freue mich, wenn etwas schönes oder nützliches von mir oder anderen erschaffen wird."

- Vertrauen : Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass sondern Misstrauen. Wo Misstrauen herrscht kann keine Liebe entstehen. Ob dieses Misstrauen nun berechtigt ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle.1

- Allgemeingut : Keine Religion hat das Monopol auf die Liebe. Die Liebe ist grundsätzlich für jeden da.

- nicht selbstverständlich : "Ich weiß, dass ich keinen Anspruch auf deine Liebe habe. Ich kann mir deine Liebe nur wünschen. Ich kann deine Liebe nur als Geschenk empfangen. Vielen Menschen wird dieses Geschenk leider niemals in ihrem Leben zuteil."

- aufrichtig : "Ich sage klar und deutlich, was ich will und was ich nicht will. Wenn wir deshalb nicht einig werden können, müssen wir getrennte Wege gehen." Liebe bedeutet manchmal auch Verzicht zum Wohle aller Beteiligten.

- nicht auf Menschen beschränkt, sondern umfasst alle Lebewesen, mit denen wir auf diesem schönen Planeten leben. Diesen Planeten, dessen Eigenschaften für das Entstehen von Leben ideal sind. Diesen Planeten, für den es keinen Ersatz gibt. Ein liebevoller Umgang mit diesem Planeten sichert auf lange Sicht das Überleben der Menschheit. Ein liebloser Umgang mit diesem Planeten führt unausweichlich in den Untergang.

Wenn man meiner Definition folgt, wird klar, dass Liebe anstrengend und manchmal auch unbequem ist. Deshalb komme ich zu der Schlussfolgerung, dass antisoziales, rücksichtsloses und kriminelles Verhalten auch ein Produkt der Bequemlichkeit ist. Auf niemanden Rücksicht zu nehmen ist bequem. Es ist leichter etwas zu stehlen, als dafür zu arbeiten. Ein Gewissen zu haben ist dagegen sehr unbequem. Es scheint vielen Menschen leichter zu fallen, böse als gut zu sein.

Ich schreibe hier nicht von einer gleißend-hellen Liebe, so wie sie z. B. Romeo und Julia hatten. Ich betrachte Liebe als "Klebstoff", der einer Gesellschaft überhaupt ermöglicht zu existieren und zu funktionieren. Jede Gesellschaft kann nur eine gewisses Maß an Lieblosigkeit ertragen. Ohne diese alltägliche Brot-und-Butter-Liebe bricht jede Gesellschaft auseinander. Für diese Liebe gibt es keinen Ersatz, nur den Selbstbetrug.

Auch wenn jetzt der Demagoge mit mir durchgeht, möchte ich doch folgendes feststellen : Eine lieblose Gesellschaft ist :

- nicht lebenswert.
- auf lange Sicht nicht überlebensfähig.
- nicht wert erhalten oder verteidigt zu werden.

Was ist wirklich wichtig im Leben und was nicht ?
Wofür werden sich die Menschen entscheiden ?



Mein Name ist Stephan Potratz

und das ist meine Meinung

hier aufBienenvilla.com

Anmerkungen und Ergänzungen

1 Das Hass nicht das Gegenteil von Liebe ist, kann jeder an sich selbst beobachten : Man kann jemanden hassen ohne ihn vorher geliebt zu haben.

PDF