Naivität

Naivität

Naivität

In meinem Artikel über dieLiebestellte ich die These auf, dass das Gegenteil von Liebe nicht der Hass sei, sondern das Misstrauen. Ich möchte meine These aus einem anderen Blickwinkel heraus untermauern.

Ich denke, damit sich soziale Bindungen zwischen Menschen bilden können, braucht es ein gewisses Maß an Naivität.
Naivität im Sinne von Gutgläubigkeit. Der Glaube, dass der andere nichts Böses im Schilde führt. Ohne diesen Vertrauensvorschuss geht es nicht. Diese Naivität ist die Voraussetzung, damit eine Freundschaft oder Liebesbeziehung überhaupt beginnen kann.
Wäre dem nicht so, würden wir Mitmenschen aus dem Wege gehen. Wir wären nicht in der Lage Gruppen zu bilden. Wir wären Einzelgänger, die nur zum Zwecke der Fortpflanzung Kontakt aufnehmen.

Auf Misstrauen kann man keine Gesellschaft aufbauen. Misstrauen zersetzt jede Gesellschaft.

Wird das Vertrauen enttäuscht oder missbraucht, wird damit auch die Naivität beschädigt. Ist die Naivität erst mal beschädigt oder sogar zerstört, sind wir befangen. Weil wir den Schmerz meiden wollen, werden wir misstrauisch. Beziehungen zu Menschen aufzubauen, ist jetzt nicht mehr so ohne weiteres möglich. Bei tief verwurzeltem Misstrauen geht es überhaupt nicht mehr.

In der Meinung zu leben, dass alle Menschen gegen einen sind, ist schrecklich. Es ist die kalte Hölle auf Erden.


Mein Name ist Stephan Potratz

und das ist meine Meinung

hier aufBienenvilla.com

Köln, 2014

PDF