Normalität und Gewohnheit

Normalität und Gewohnheit

Den folgenden Text schrieb ich für das Photo Die Normopathen.Siehe bitte dort.

Normalität und Gewohnheit

Normalität beschreibt das, was üblicherweise geschieht. Dabei ist es völlig egal, ob die Geschehnisse gut oder böse, richtig oder falsch, krank oder gesund, moralisch oder amoralisch, ethisch oder unethisch sind. Normalität ist ein Quantitätsmaßstab, kein Qualitätsmaßstab. Normalität ist nicht absolut. Normalität ist relativ. Man sollte das Wort "Normalität" immer in Anführungszeichen schreiben.

Im antiken Griechenland und im Römischen Reich war Sklaverei etwas völlig normales. Wir lehnen das heute empört ab. Aber für die Menschen damals war das eine Selbstverständlichkeit über die niemand nachgedacht hat.
Für die Generation zu der Adolf Hitler gehörte war es normal, dass Kinder im Elternhaus und in der Schule geschlagen wurden. Es war so normal, dass es niemandem mehr auffiel, auch nicht den Historikern in späteren Zeiten. Auch heute ist es für viel zu viele Kinder normal geschlagen und/oder vergewaltigt zu werden.
Seit 5000 Jahren ist Krieg ein völlig normaler Bestandteil der Menschheitsgeschichte. Das einzige was sich geändert hat, ist die Effizienz mit der Kriege geführt wurden: In immer kürzerer Zeit wurden immer mehr Menschen getötet. Hier ein paar Zahlen :

Erster Weltkrieg : 10 Millionen Tote.
Zweiter Weltkrieg : 60 Millionen Tote.
Dritter Weltkrieg : Ich schätze, die Anzahl der Toten würde in den dreistelligen Millionenbereich gehen.
Vierter Weltkrieg : Da werfen die Menschen nur noch mit Stö;cken und Steinen. Vorausgesetzt es gibt dann noch Menschen.

Man darf Normalität nicht mit Normung verwechseln. Im Maschinenbau sind genormte Teil nicht mehr wegzudenken. Das metrische System, also die Normung von Maßen und Gewichten, ist ein Segen für die Menschheit. Aber das sind technische Belange. Meine Betrachtungen beziehen sich auf den psychologischen Effekt der Normalität.

Normalität ist Gewohnheitssache. Wir empfinden das als normal, was wir gewohnt sind. Was wir gewohnt sind, ist aber noch lange nicht gut, richtig, gesund, moralisch oder ethisch. Deshalb ist die Gewohnheit ein sehr schlechter Berater.
Gewöhnung ist ein Lernprozess. Aber das, was wir lernen, ist nicht immer gut für uns. Man gewöhnt sich an alles - auch an das Böse.

Meiner Meinung nach, sind psychische Störungen, sofern sie nicht durch Schäden am Gehirn bedingt sind, das Ergebnis von blöden Angewohnheiten. Die Ursachen dieser schädlichen Angewohnheiten sind in der frühen Kindheit zu finden. Sie wurden in der Kindheit erlernt.
Diese Angewohnheiten können für den Betroffenen selbst schädlich sein oder aber für andere.
Menschen, die unter Depressionen leiden, sind es gewohnt depressiv zu sein.
Menschen, die unter Ängsten leiden, sind es gewohnt ängstlich zu sein.
Menschen, die unter einer Suchterkrankung leiden, sind es gewohnt ihre eigene Gefühle mit chemischen Mittel ( Alkohol, Zigaretten, Tabletten und Drogen ) zu manipulieren.
Diese dummen Angewohnheiten zu erkennen ist für den Betroffenen gar nicht so einfach und das Beseitigen derselben ist verdammt schwer.
Eine psychische Störung bedeutet noch lange nicht, dass der Betroffene darunter leidet. Bei bestimmten psychischen Störungen ( z.b. narzisstische Persönlichkeitsstörung und dissoziale Persönlichkeitsstörung ) leidet das soziale Umfeld, die Nation oder die ganze Welt; nur nicht der Betroffene. Weil bei dieser Art der Persönlichkeitsstörung der Leidensdruck auf den Betroffenen fehlt, gehen diese Personen niemals freiwillig und aus eigenem Antrieb zum Psychotherapeuten. Vor solchen Personen muss man sich in acht nehmen.
Vor Menschen die freiwillig und aus eigenem Antrieb zum Psychotherapeuten gehen, muss sich niemand fürchten. Diese Menschen leiden selbst unter ihrer Störung und wollen sie los werden.

Doch zurück zum Thema.
Was wir gewohnt sind wird unsichtbar; nicht im physikalischen Sinne sondern im psychologischen/soziologischen. Erst wenn es weg ist oder nicht mehr funktioniert, wird es plötzlich wieder sichtbar. Das hat auch Einfluss auf unsere Wertschätzung gegenüber Gegenständen und Lebewesen. Wie oft haben wir Dinge, Menschen oder Tiere erst dann zu schätzen gelernt, als sie uns gestohlen wurden oder verstarben ?

Alles Neue ist zunächst einmal fremd. Nach einer Phase des Kennenlernens tritt die Gewöhnung in Kraft. Mit der Gewöhnung kommt die Normalität. Mit der Normalität wird das Gewohnte unsichtbar.

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Normalität ist das, was uns nicht mehr auffällt. Darin liegt die große Gefahr der Normalität. Aber wir können uns diesen Umstand bewusst machen und wachsam gegenüber unseren Gewohnheiten sein. Das setzt aber voraus, dass wir uns von Oberflächlichkeit und Naivität verabschieden.

Sicher, wir können nicht allen Dingen gleichzeitig die selbe Aufmerksamkeit schenken. Das menschliche Gehirn hat einfach nicht die Kapazität dafür. Wir müssen es auch nicht um zu überleben. Es entbindet uns aber nicht von der Wachsamkeit.

Unseren Meinungen sind ebenfalls eine Sache der Gewohnheit. Wir meinen dieses tun zu müssen und jenes sein zu lassen. Aber ist dem wirklich so ? Eine Meinung kann der Wahrheit entsprechen, muss es aber nicht.

"Weil alle anderen ebenfalls so denken und handeln wie ich, kann es doch nicht falsch sein. Und weil es alle so machen, muss ich nicht weiter darüber nachdenken. Es ist ja alles sooo normal."
Der hirnlose Herdentrieb hat das Kommando übernommen. Es ist sehr bequem im Mainstream mitzuschwimmen. Man fühlt sich auch geborgen.
So kann es dann passieren, dass eine ganze Nation offenen Auges in den Untergang rennt.
Millionen von Menschen können sich nicht irren ?
Oh doch !
Sie können.
Gerade wir Deutschen sollten das, aus den Erfahrungen des Ersten- und des Zweiten Weltkrieges, besser wissen als jede andere Nation. Siehe hierzu "Die Dolchstoßlegende".

Alle Menschen haben Vorstellungen von der Welt in der sie leben. Diese Vorstellungen lassen sich manipulieren. Wenn man den Menschen nur lange genug erzählt, dass Tomaten violett und hoch giftig seien, dann glauben das die Menschen irgendwann einmal. Vor allem wenn kritiklose Menschen diesen Blödsinn auch noch hirnlos nachplappern. Dann dauert es nicht mehr lange bis diese "Meinung" zur Normalität verkommt und damit unsichtbar wird, die niemand mehr kritisch hinterfragt. Durch Erziehung, durch Erlernen, durch Gewöhnung wird aus einer falschen Meinung ganz allmählich "die Wahrheit".
Aus diesem Grunde rufe ich den Deutschen zu :" Nur ein wachsamer und kritischer Bürger ist ein mündiger Bürger."
Es heißt nicht umsonst: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser."

Durch die Manipulation von Meinungen und Vorstellungen lassen sich Menschenmassen manipulieren. Durch Gewöhnung werden wir manipulierbar.

Meine Englisch-Lehrerin sagte immer :"Wer laut schreit, hat noch lange nicht recht."
Im Prinzip stimme ich dieser Aussage zu. Aber es sind die eloquenten Großschnauzen, die verbalen Brandstifter und Hetzer die sich lautstark durchsetzen und so zu Ihrem "Recht" kommen.
Die verbalen Brandstifter alleine sind gar nicht so gefährlich. Gefährlich werden die verbalen Brandstifter erst durch die Menschenmassen, die ihnen aufmerksam aber hirn- und kritiklos zuhören.

Mehrheit bedeutet aber noch lange nicht Wahrheit. ( Das gilt auch für Radio, Fernsehen, Presse und Internet. Siehe hierzu die Hetz-Kampagne gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Seitdem bin ich gegenüber den Medien sehr skeptisch. )
Minderheit bedeutet noch lange nicht Unwahrheit.
Normalität ist keine Entschuldigung für antisoziales Verhalten.
Normalität legitimiert gar nichts.

Mein Name ist Stephan Potratz

und das ist meine Meinung.

hier aufBienenvilla.com

Köln, 2014

Anmerkungen und Ergänzungen

Zum Thema "Normopathen" empfehle ich das Buch : "Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen" - von Manfred Lütz, Gütersloher Verlagshaus.

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