Objektive

Sehr geehrte Damen und Herren

Mit dieser Tabelle möchte ich Ihnen einen allgemeinen Überblick zum Thema Objektive geben.

Objektive sind optische Systeme, die in der Regel aus mehreren Linsen bestehen. Der komplizierte Aufbau dieser optischen Systeme dient zur Verbesserung der Lichtstärke, des Auflösungsvermögens und der Behebung von Abbildungsfehlern.

Wenn Sie sich mit dem Thema Objektive beschäfftigen werden Sie unweigerlich auf folgende Begriffe stoßen : Mehrschichtenvergütung, Antireflexbeschichtung, MC ( Multi-Coating ), SMC ( Super Multi-Coating ) oder T*-Vergütung. Alle diese Bezeichnungen meinen im Prinzip ein und die selbe Eigenschaft. Um die Abbildungleistung von optischen Linsen zu verbessern, werden diese mit mehreren hauchdünnen Metallschichten bedampft. Diese Metallschichten verringern die Reflexionen auf den Linsen und damit das Streulicht innerhalb des Objektives. Es klingt komisch, aber mit diesem Verfahren werden die Linsen durchsichtiger. Alle Objektivhersteller vergüten ihre Objektivlinsen, aber jeder nennt es anders.

Man kann Objektive in zwei große Gruppen einteilen : Festbrennweiten und Zoomobjektive. Wie der Name schon sagt haben Festbrennweiten eine feste Brennweite während Zoomobjektive einen stufenlos verstellbaren Brennweitenbereich besitzen.
Festbrennweiten sind in der Regel lichtstärker als Zoomobjektive. ( Es gibt allerdings auch lichtstarke Zoomobjektive, die aber sehr kostspielig sind.) Das ist vorallem dann interessant, wenn man unter schlechten Lichtbedingungen und/oder ohne Blitz photographieren will. Lichtstarke Optiken bedeuten kurze Verschlußzeiten. Kurze Verschlußzeiten bedeuten keine verwackelten Bilder.

Zoomobjektive bieten den Vorteil mehrere Brennweiten in einer Optik zur Verfügung zu stellen. Ein Wechsel der Objektive fällt weg. Vorteilhaft wenn man auf Reise ist oder unter Zeitdruck steht (z. B. Sportphotographie).

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Potratz

Normalobjektive

Auch Standartobjektiv genannt. Der Bildwinkel dieser Objektive entspricht etwa dem Sehwinkel des menschlichen Auges. Die Brennweite entspricht annähernd der Format- bzw. Sensordiagonale.
Normalobjektive sind in der Regel lichtstark. Blendenwerte von 1,8 bis 2,0 sind die Regel. Es gibt aber auch Normalobjektive mit Blendenwerten von 1,4 bis 1,0.

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Teleobjektive

Unter Teleobjektive versteht man alle Brennweiten die länger als das Normalobjektiv sind. Sie dienen dazu, weitentfernte Objekte abzubilden. Teleobjektive werden zum Beispiel sehr oft in der Tierphotographie benutzt. Leichte Teleobjektive werden auch in der Portraitphotographie verwendet.
Durch ihren geringen Tiefenschärfebereich eignen sich Teleobjektive besonders gut Objekte zu betonen.

Wenn Sie sich mit dem Thema Teleobjektive beschäftigen, werden mit Sicherheit auf das Kürzel "IF" stoßen. Üblicherweise werden beim Fokusieren eines Objektivs sämtliche Linsen bewegt. Je nach eingestellter Entfernung wird das Objektiv länger bzw. kürzer.
"IF" bedeutet Innenfokusierung. Dabei werden nur einzelne Linsen oder Linsenpaare innerhalb des Objetives bewegt. Teleobjektive die über eine Innenfokusiereng verfügen, verändern ihre Länge nicht. Vorteile dieser Fokusierengsart : Es muss weniger Masse bewegt werden zum Fokusieren und es findet auch keine Gewichtsverlagerung statt, wenn das Teleobjektiv auf einem Stativ befestigt ist.

Sie werden auch auf das Kürzel "ED" stoßen. "ED" bedeutet "extraordinary low dispersion glass". Zu Deutsch : Glas mit anomaler Dispersion. Bei der Konstruktion von Teleobjektiven (also langen Brennweiten) hat man immer das Problem, daß unterschiedliche Wellenlängen (Farben) unterschiedlich gebrochen werden. Das führt dazu, daß blaue Wellenlängen einen anderen Brennpunkt haben als rote Wellenlängen. Es entstehen Farbsäume. Diesen Abbildungsfehler nennt man chromatische Aberration. (Die chromatisch Aberation ist auch dafür verantwortlich, daß das Licht durch ein Prisma in seine Spektralfarben aufgespalten wird.) An dieser Stelle kommen die ED-Gläser ins Spiel. Sie reduzieren diesen Abbildungfehler auf ein Minimum.
Andere Bezeichnungen sind : SLD (Special low dispersion glass) und UL (ultra-low dispersion glass)

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Weitwinkelobjektive

Unter Weitwinkelobjektive versteht man alle Brennweiten die kürzer als das Normalobjektiv sind. Diese Objektive sind geeignet für die Landschafts- und Architekturphotographie.
Eine Sonderform stellen die Fischaugenobjektive dar. Sie haben einen Bildwinkel von 180 Grad. Da diese Objektive sehr teuer sind und die Anwendungschancen so selten sind, lohnt sich der Erwerb dieser Optiken für den Amateur überhaupt nicht. Selbst Profiphotographen leihen sich diese Objektive aus.

Wenn Sie scih mit dem Thema Weitwinkelobjektive beschäftigen, dann werden Sie auf den Begriff "Asphärische Linse" stoßen. Damit Weitwinkelobjektive einen große Aufnahmewinkel erreichen, müssen sie die Lichtstrahlen stark brechen. Das führt aber dazu, daß die Strahlen vom Rande der Linse einen längeren Weg zur Bildebene nehmen müssen als die Strahlen von der Mitte der Linse. Durch die unterschiedlich langen Wege haben die Strahlen auch unterschiedliche Brennpunkte. Diesen Abbildungsfehler nennt man "sphärische Aberration". Die "Asphärische Linse" behebt diesen Fehler.

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Zoomobjektive

Auch Varioobjektiv oder Gummilinse genannt. (Ein idiotischer Begriff, denn noch nie ist eine optische Linse aus Gummi hergestellt worden) Sie erlauben die stufenlosen Veränderungen der Brennweite und so die Manipulierung des Abbildungsmaßstabes.
Man kann Zoomobjektive in zwei Gruppen einteilen : Weitwinkelzoom und Telezoom. Wie die namen schon verraten decken Weitwinkelzoom den Brennweitenbereich vom Normalobjektiv (manchmal auch leichten Tele) bis zum Weitwinkel ab. Telezoom den Brennweitenbereich vom leichten Tele bis mittleren Tele ab. Unterscheiden kann man dann noch zwischen Drehzoom und Schiebezoom.
Schiebezoom bieten die Möglichkeit Brennweite und Fokus über einen Einstellring zu manipulieren. Typisch für Telezoom.
Anders bei Drehzoom. Hier werden Fokus und Brennweite über zwei getrennte Einstellringe manipuliert. Oft zu finden bei Weitwinkelzoom.

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Balgengerät

Obwohl das Balgengerät kein Objektiv ist, möchte ich es an dieser Stelle doch erwähnen. Mit Hilfe dieses Gerätes ist es möglich sehr kleine Objekte vergrößert zu photographieren. Der Auszug zwischen Kamera und Objektiv kann stufenlos verstellt werden. Je nach angesetztem Objektiv in Retrostellung sind Vergrößerungen bis 12 : 1 möglich.

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Balgengerät

Hier im voll ausgezogenen Zustand.

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Empfehlungen

Ich gebe hier nur allgemeine Empfehlungen nach denen Sie sich richten können aber nicht müssen. Für welche Objektive Sie sich dann entscheiden ist allein Ihre Sache.
Für die meisten photographischen Anforderungen reichen im allgemein Brennweiten von 24 bis 200mm völlig aus. Es kommt jedoch darauf an, in welchem Bereich Sie photograpieren möchten.

Wenn Sie Photos im Urlaub machen wollen und die Gegend sehr sonnig ist, empfehle ich zwei Zoomobjetive zu nehmen. Zum Beispiel die Kombination aus einem 24-50mm 1:3,5 - 4,5 und einem 50-200mm 1: 3,5 - 5,6. Diese Objektive sind klein und leicht. Manche haben sogar eine Makrofunktion. Alternativ dazu gibt es auch Super-Zoomobjektive mit dem Brennweitenbereich 28 - 200mm 1:3,5-5,6.

Wenn Sie sportliche Aktivitäten ablichten wollen oder unter Zeitdruck und/oder schlechten Lichtbedingungen photographieren möchten, empfehle ich die Kombination auch zwei Zoomobejtiven mit folgenden Daten: 18-50mm 1:2,8 und 70-200mm 1:2,8. Solche lichtstarken Zoomobjektive sind allerdings nicht billig.

Wenn Sie Architektur photographieren wollen empfehle ich die Festbrennweiten 20mm 1:2,8 oder besser noch 18mm 1:2,8. Hier rate ich dringend zum Erwerb eines schweren Stativs mit einem präzisen Kopf.

Wenn Sie kleine Objekte formatfüllend photographieren wollen, empfehle ich ein Makro- oder auch Mikroobjektiv. Mit einem 50 oder 60mm 1:2,8 kann man schon eine Menge machen. Alternativ dazu gibt es die Brennweiten 100mm 1:2,8 und 200mm 1:4. Um lebende Insekten zu photographieren eignen sich diese Brennweiten besser.

Wenn Sie Tiere photographieren möchten brauchen Sie Teleobjektive ab 200mm. Hier gibt es viele Festbrennweiten und auch Zoomobjektive.

Jedes Okektive hat seine Stärken und Schwächen. Jedes Objektiv ist ein Kompromiss und jeder Photograph muss für sich selbst entscheiden, mit welchem Kompromiss er am besten leben kann. Diese Entscheidung kann und will ich Ihnen nicht abnehmen.


Mit freundlichen Grüßen

Stephan Potratz