Tutorial

Sehr geehrte Damen und Herren.

In diesem Tutorial möchte ich Ihnen erklären, wie ich die meisten meiner Modelle gebaut habe.

Was braucht man ?

  • Ein sehr scharfes Messer (Skalpel; Teppichmesser geht auch)
  • Metall-Linieal (als Anschlag für das Messer)
  • Holzbrett (als Unterlage zum Schneiden)
  • Schere
  • Pinzette
  • Bleistifft ( besser Mienenschreiber 0,5mm)
  • Geo-Dreieck
  • Alleskleber
  • Zahnstocher (um den Klebstoff zu verteilen)
  • Pinsel
  • 1,5 bis 2 mm starke Pappe
  • farbigen Karton ( je nach Ausführung)
  • Stroh (je nach Ausführung)
  • Wellpappe (je nach Ausführung für das Dach)
  • Akrylfarbe
  • Einen Bogen durchsichtige Folie (um die Fensterscheiben darzustellen)

Info !

Was bedeutet der Maßstab 1 : 100 ?
Modelle sind maßstabsgerechte Darstellungen von Objekten. Diese Darstellungen sind meisten Verkleinerungen, können aber auch Vergrößungen sein. Das Verhältnis von Original zu Modell wird als 1 : N bezeichnet. N steht für den beliebige Maßstab. Ins Verhältnis gesetzt werden immer nur die Einzelstrecken, nicht das Volumen!
Beispiel: Ein von Maßstab 1 : 100 bedeutet, daß eine Streckenlänge vom 250 cm durch 100 dividiert wird. Also ist die Modellstrecke 2,5 cm lang.

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Schritt 1

Bevor Sie anfangen, brauchen Sie einen Grundriss. Um Erfahrung zu sammeln sollten Sie mit einem ganz primitiven Haus anfangen und sich dann immer weiter steigern. Auch hier gilt : Übung macht den Meister.
Zeichnen Sie den Grundriss des Hauses auf eine Grundplatte auf. Berücksichtigen Sie dabei immer auch die Dicke der Wände. Je sorgfältiger Sie hier zeichnen, desto weniger Probleme haben Sie dann beim Zusammenbau.
Die Bilder auf der linken Seite der Tabelle zeigen Ihnen Schritt für Schritt den Bau von Typ 15.

Schritt 2

Bevor Sie die Wände auf den Grundriss kleben, müssen diese erst mal innen und außen fertiggestellt werden. Später ist dies nicht mehr möglich.

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2.1
Ausschneiden.

Zeichnen Sie alle Wände auf und schneiden Sie die Fenster- und Türöffnungen aus. Achten Sie darauf, daß alle Wände die gleiche Höhe haben. Entscheiden Sie selbst ob Sie lieber auf dem Bleistiftstrich schneiden wollen oder knapp daneben. Egal für was Sie sich entscheiden : Bleiben Sie konsequent dabei.

Tip 1

Ich empfehle, die Pappe nicht in einem Zug durchzuschneiden. Die Gefahr, daß Sie mit dem Messer oder dem Lineal ausrutschen ist groß. Schneiden Sie die Pappe lieber in mehreren Durchgängen ohne Kraft.

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2.2

Die Außenseiten könne Sie mit Akrylfarbe oder Stroh oder Dekopapier für Modelleinsenbahnen gestallten. Wenn Sie mit Stroh arbeiten wollen, empfehle ich, die Halme in längsrichtung zu spalten und dann platt zu drücken. Suchen Sie dann die geradesten Stücke heraus. Mit Stroh zu arbeiten ist sehr aufwendig aber das Ergebnis ist dafür auch sehr schön. Lassen Sie ruhig das Material überstehen.

Trocknen lassen.

Tip 2
Scheiden Sie aus weißem Karton Qudrate mit den Kantenlähgen 5 x 5 cm. Auf die eine Seite des Quadrates streichen Sie die Akrylfarbe und auf die Rückseite schreiben Sie den Namen der Farbe, die Farbnummer und den Hersteller auf. So haben Sie eine Karteikarte für jede Farbe. Das ist wichtig, weil Sie nur so die Farbe richtig beurteilen können. Jetzt können Sie bei Tageslicht vergleichen ob die Farben, die Sie sich für das Modell ausgesucht haben, harmonieren.
Warum bei Tageslicht?
Jede Lichtquelle hat eine typische Farbtemperatur die in Grad Kelvin gemessen wird. Glühbirnen haben z.B. eine Farbtemperatur von ca. 2000 Grad Kelvin, Blitzlicht ca. 5000 Grad Kelvin und blauer Himmel ca. 12000 Grad Kelvin. Je höher der Wert desto blauer ist das Licht, je niedriger desto rötlicher. Deshalb wirkt die selbe Farbe beim Licht einer Glühbirne anders als bei Tageslicht.
Wichtig ist, daß Sie vor dem Zusammenbau die Farbgestaltung festlegen. Ein späteres ändern ist nur schwer möglich.

Akrylfarbe
Ich bevorzuge Akrylfabe aus mehreren Gründen. Man kann sie in jeden Bastellgeschäft kaufen. Die Farbauswahl ist groß. Es gibt sie sowohl in matt als auch in glänzend. Mit Wasser kann die Farbe verdünnt bzw. der Pinsel gereinigt werden. Nach dem Trocknen ist die Akrylfarbe wasserfest.

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2.3

Umdrehen

Fenster- bzw Türöffnungen schneiden Sie am besten mit einem scharfen Messer aus. Alles andere mit der Schere. Ganz nach dem Motto : Was Übersteht wird abgeschnitten.

Ganz allgemein gilt: Bauen Sie immer vom Groben zum Feinen hin.

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2.4

Fenster- und Türrahmen können Sie mit Stroh oder mit Streifen von farbigen Karton darstellen. Ich empfehle die Steifen nicht dünner als 2mm zu schneiden. Mit dem Zahnstocher tragen Sie den Klebstoff auf die entsprechenden Flächen auf. Mit der Pinzette greifen Sie die Papier- oder Strohstreifen und positionieren diese. Denken Sie daran, nicht nur den Rahmen sondern auch die Vertiefung des Ausschnitts zu bekleben. Bei dieser Tür habe ich sechs Streifen Karton verwendet.

Trocknen lassen.

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2.5

Umdrehen.

Die durchsichtige Folie kleben Sie dorthin, wo Fenster hinkommen. Bekleben sie ruhig die gesamte Wandfläche und lassen Sie rundum etwas Material überstehen, wie bei Schritt 2.2. Wenn Sie keine Glastür haben möchten wie in dem Beispiel, dann kleben Sie einfach ein Stück Pappe in innen gegen den Türahmen. Die Folie fällt dann weg.

Trocknen lassen.
Danach können Sie die Innenwände farbig anstreichen.
Trocknen lassen.

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2.6

Umdrehen.

Jetzt noch Türschwelle und Drücker. Fertig.

Trocknen lassen.

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Schritt 3.

Glückwunsch.

Wenn Sie alle Wände innen und außen gestalltet haben, ist der Löwenanteil der Arbeit schon getan. Sie werden es in Ihrer Hand merken. Übrigens : Eine Bauzeit von 14 Tage ist für dieses Modell realistisch.

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Schritt 4.

Jetzt klebe ich die Wände auf den Grundriss. Bei diesem Modell habe ich in der Mitte angefangen, damit die Abstände rechts und links gleich sind. Eine Toleranz von plus/minus einem zehntel Millimeter müssen Sie ohnehin in Kauf nehmen. Dafür ist es eben Handarbeit. Achten Sie darauf, daß alle Wände senkrecht und im rechten Winkel zu einander stehen.

Trocknen lassen.

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Schritt 5.

Jetzt kommt die rechte Seite an die Reihe.

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Schritt 6.

Jetzt die linke Seite.
Beides trocknen lassen. Nachdem der Klebstoff abgebunden hat streiche ich die Wände innen an. Es soll ja alles schön sein.

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Schritt 7.

Das Dach.

Hier gilt das selbe, was ich schon über den Grundriss geschrieben habe. Wie Sie auf dem nebenstehenden Bild sehen könne, habe ich auf die Grundplatte genau aufgezeichnet, wo die Spanten hin kommen sollen. Die Grundplatte für das Dach verklebe ich übrigens nicht mit dem Erdgeschoss, damit man später den Grundriss des fertigen Modells betrachten kann. Das Modell wird sozusagen begehbar. Um ein Verrutschen des Daches vom Haus zu verhindern, klebe ich von unten Pappstreifen auf den Dachüberstand. So wird ein Stockwerk auf das andere geschichtet. Deshalb nenne ich diese Bauart "Tortenbauweise".

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Zum besseren Verständnis

Wie ich schon in Schritt 7. erklärte, klebe ich von unten Pappstreifen auf den Dachüberstand oder Stockwerk. Auf der nebenstehenden Prinzipzeichnung können Sie sehen, wie die "Tortenschichten" ineinander greifen.

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Schritt 8.

Die Spanten werden aufgeklebt.
Erst rechts...

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Schritt 9.

...dann links.
Wie Sie sehen, habe ich auch diagonale Spanten eingesetzt. Diese verhindern ein durchbiegen der Dachflächen.

Trocknen lassen.

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Schritt 10.

Jetzt werden die Dachflächen aufgeklebt. Die Herstellung läuft genauso wie bei den Wänden. Hier habe ich die Flächen mit Stroh beklebt.

Trocknen lassen.

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Schritt 11.

Nun kommen die Spannten für das mittlere Dach. An den Schnittlinien der Dächer habe ich Pappstreifen geklebt. Sie dienen als Auflage für die Dachflächen.

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Schritt 12.

Zum Schluß klebe ich Strohhalme auf die Nähte. Wenn Sie Ihr Dach mit Wellpappe darstellen wollen, empfehle ich Ihnen die Nähte mit schmalen Streifen aus starkem Papier zu verdecken.
Hier können Sie sich den Typ 15 fertig ansehen.

Abschließend empfehle ich folgendes : Schauen Sie sich so viele Grundrisse wie möglich an. Lernen Sie diese zu lesen. Bauen Sie ruhig Häuser nach, oder verändern Sie den Grundriss nach eigenem Geschmack.
In Wohn- bzw. Bauzeitschriften können Sie Grundrisse finden. Manche Fertighaushersteller versenden Prospektmaterial mit Grundrissen und im Internet wird man auch fündig.
Wenn Sie Bauherr werden wollen, empfehle ich Ihnen ebenfalls ein Modell Ihres geplanten Hauses zu bauen. Erstens ist das Modell anschaulicher als ein Grundriss. Zweitens können Sie Fehler in der Konstruktion viel schneller erkennen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Bauen.

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Potratz